Roadtrip.
3.500km
Kroatien, Bosnien Herzegowina, Slowenien
Hört sich normalerweise nach einer meiner klassischen Motorradtouren an, oder? Stimmt – ist es aber nicht gewesen 🙂
DACHZELT auf dem Auto war die Devise, eine „Flex-Camping“ Tour war der Plan. Warum „Flex“ – nunja, ich wollte nicht jeden Abend im Dachzelt verbringen um ehrlich zu sein… irgendwann schreit der Körper doch mal nach einer sanitären Anlage und etwas mehr Komfort.
Meine Ausrüstung hatte ich noch vom letzten Jahr (eigentlich einen eigenen Beitrag wert, es endete in einem Desaster).
Hier eine kurze Übersicht über mein Equipment:
Auto 2026: Land Rover Defender – für alles gemacht was kommt
Dachzelt: „Flitzer1“ von Naturbummler – super Qualität, super bequem und einfach (KLICK)
Dazu noch ein paar Kleinigkeiten: Kühlbox über 12V, Gaskocher, Campingstuhl und Tisch, Alubox für die 1.000 Kleinigkeiten
Die Videos in diesem Beitrag habe ich übrigens mit der Meta RayBan Brille aufgenommen – großartig für sowas!
Die wichtigste Sache: ein kleiner Tisch für die Hecktür im Defender – Weltbester Kauf! Darauf hatte ich den Gaskocher und sonstige Dinge wenn ich ausserhalb der Zivilisation mal was zu Essen machen wollte (KLICK)
Hier die Bilder vom Start mit dem eingerichtetem Fahrzeug:


Der erste Halt ging nach Bayern, einen alten Kollegen besuchen der dort lebt. Die Nacht wollte ich noch im Hotel verbringen.
Nach einem hervorragenden Frühstück bei Ralf ging es dann los Richtung Österreich / Italien. Ich wollte mein Leben lang schon den Timmelsjoch Pass fahren – DIE legendäre Strecke über die Alpen bis auf 2.500m Höhe. Im Grunde ist die ganze Straße schon ein Museum.




Die Reise über den Pass führte mich in mein erstes Campinglager – direkt in den Alpen, hinter dem Eingang des Passes, wunderbar eingebettet in die Berge. Hier gab es das erste mal Campingfeeling und Eigenversorgung




Am Abend kündigte sich schon ein Gewitter an, Grummeln und Blitze in den Bergen um uns herum waren die Vorzeichen – in der Nacht schepperte es richtig, aber das Dachzelt war wirklich ein sicherer Hafen. Nur der Abbau am nächsten Morgen bei Regen war irgendwie uncool, da man nichts wirklich trocken bekommen hat. Lesson learned: am Besten nicht in einer Regennacht bzw. mit Regen im Dachzelt.
Und ich sage euch – die Wetterfront wollte mich unbedingt näher kennenlernen und folgte mir (un)auffällig. Von daher habe ich mich für diese Nacht wieder für eine feste Unterkunft entschieden – in der kleinen, italienischen Stadt Aquileia…
Der Weg dahin war großartig, immer wieder angehalten, Pause gemacht und zwischendurch einen Kaffee in meiner mobilen Küche gekocht…


In der Stadt selbst hatte ich ein „Adult only“ Hotel, also kein Ferienbunker mit tobenden Kindern. Nix gegen Kinder – aber sicher ist sicher 🙂
Ein paar Straßen weiter war eine Pizzeria wie aus der Zeit gefallen.. ganz ehrlich, wenn da Don Camillo und Peppone am Tisch gesessen hätten, es hätte mich nicht gewundert:




Mit dem Wetter sollte ich Recht behalten, in der Nacht regnete es ziemlich… aber nur Regen. Sollte sich ändern die nächsten Tage…


Nächsten Tag ging es dann über die Grenze nach Kroatien, über eine wundervolle, (fast) menschenleere Straße wo sogar noch eine alte Zoll/Grenzstation mit Natodraht mitten im Wald zu finden war. Leider hab ich es verpasst hier ein Bild zu machen – dennoch, hier ein paar Impressionen der Strecke:





In Kroatien angekommen musste ich feststellen, dass mein Kumpel immer noch Interesse an mir hatte – die scheiß Gewitterfront war einfach nicht abzuhängen – hier eine Ansicht aus meiner App „Rain Today“:

Man muss ich vorstellen, das die Wetterfront von Westen nach Osten zieht – und der dicke Teil der östlich von Rom steht in der Nacht exakt mich treffen würde… und was soll ich sagen, am Horizont wurde es dunkel. Richtig dunkel.
Also auch in dieser Nacht leider dem Dachzelt eine Absage erteilt – was sich als die beste Endscheidung herausstellen sollte… an dem Abend, in der Nacht wurde es WIRKLICH unangenehm!
Ich habe über AirBnB noch eine gute Wohnung auftreiben können, eine freundliche Gastgeberin wartete in der Hofeinfahrt auf mich. Das Haus lag am Hang, direkt mit Blick auf das kroatische Mittelmeer. Ein/zwei Minuten mit dem Auto entfernt ein Restaurant – bestes kroatisches Essen muss ich sagen…




Wieder zurück in meiner Unterkunft kam das schwarze Ungetüm aufgezogen – das Unwetter schlechthin…

Ich habe mal versucht es auf Video festzuhalten… um ehrlich zu sein, etwas mulmig war mir schon. Von einer Minute auf die andere ging es los, von Windstille auf Sturm und Starkregen… das ganze Spektakel dauerte vllt eine knappe Stunde, dann war wieder alles vorbei
Bei dem Video muss man bedenken, ich war in einem geschlossenen Raum, die Windgeräusche waren wirklich massiv. Den Regen konnte man auf einem unterliegenden Sportplatz sehen, durch die Flutlichter gut in Szene gesetzt:
Wie dem auch sei – im Dachzelt wäre es mehr als spooky geworden!
Wer das Ganze mal googelt bekommt folgende Aussage dazu, zu meinem Kumpel der mich verfolgt hat am 09./10. September:
1. Unwetterwelle (9. bis 11. September 2026)
Ab dem 9. September bildete sich über dem nördlichen Mittelmeerraum ein schweres Gewittersystem
Kroatien & Slowenien: Die Unwetterfront zog weiter über die Adria. Besonders Istrien und die kroatischen Adria-Inseln waren von Starkregen und Sturmböen betroffen, was zu Verkehrsbehinderungen und lokalen Überflutungen führte.
Italien: In Nord- und Mittelitalien kam es zu schweren Überschwemmungen. In Asti (Piemont) und an der oberen Adriaküste kollabierte die Kanalisation unter den Wassermassen. Küstenorte wie Lignano, Caorle, Bibione und Jesolo standen teilweise unter Wasser, wobei in Lignano örtlich über 200 Liter Regen pro Quadratmeter fielen. In Mittelitalien kamen durch die heftigen Stürme zwei Frauen ums Leben.
Nunja.
Danach ging es wettertechnisch wenigstens wieder bergauf…. 🙂
Ich war dann hin und her gerissen wo die Tour mich noch hinführen sollte… Dubrovnik war ich ja nun schon zweimal, musste ich auch nicht nocheinmal sehen. Montenegro fehlte es an einem Ziel…
Aber was ich schon immer mal sehen wollte, war die berühmte Brücke von Mostar in Bosnien Herzegowina – gesagt getan.
Die Tour war großartig – quer durch das Land, unfassbar tolle Landschaften, immer wieder mal eine Pause und genießen.





Mir kamen auf diesen schier endlosen Straße tatsächlich immer wieder Szenen aus dem Wilden Westen in den Sinn – kein Wunder, das viele der alten Karl May Filme hier gedreht wurden…
In Mostar bin ich dann spät Abends angekommen und kein schlechtes Wetter weit und breit das für eine Ausrede herhalten könnte nicht zu campen. Über die App „StayFree“ hab ich dann einen wundervollen Stellplatz gefunden, direkt an einem See in direkter Nähe zur Stadt Mostar… richtig gut.




Nicht nur der Abend mit dem Sonnenuntergang im Rücken hatte an diesem Stellplatz seinen Charme – auch der Morgen war einfach wundervoll mit der aufgehenden Sonne über den gegenüberliegenden Bergen:

Nach einer guten Nacht dort bin ich dann früh morgens nach Mostar rein… die Einheimischen sind voll auf „Touri“ getrimmt und bieten auf ihren privaten Grundstücken Parkplätze an in der Nähe der Brücke. Umgerechnet 10EUR für einen Tag.
Ich bin noch vor den ersten großen Touristenbussen dort angekommen, was gut war. Als ich wieder gefahren bin, war alles voller Asiaten – unglaublich. Busladungen voll.





Was man immer wieder sieht auf der Reise, sind die Erinnerungen an den Krieg im ehemaligen Yugoslawien – gerade Mostar hatte seinen unrühmlichen Höhepunkt. Ein kleines Museum mit alten Aufnahmen aus dem Krieg führte einem dies wieder vor Augen. Dennoch – die Altstadt rund um die Brücke sind sehenswert. Aber als ich dann den Rückweg antreten wollte, waren die Menschenmassen schon unerträglich. Leider.
Irgendwie hatte die Reise damit für mich bereits den Scheideweg erreicht – nach längerem Überlegen hab ich mich entschlossen wieder Richtung Heimat zu fahren. Was ich nochmal mitnehmen wollte, waren die Plitvicer Seen – da gab es den Teil, den ich zuvor noch nicht gesehen hatte… mit dem großen Wasserfall.
Also bin ich von Bosnien Herzegowina wieder quer durch die Kroatischen Berge gefahren an dem Tag – bis zu den Seen. Was für eine wundervolle Strecke!
Auf dem Weg ist mir eine Kirche aufgefallen, die oben, hoch auf einem Hügel über der Straße thronte. Auch hier wieder allgegenwärtig der Krieg zwischen den Ländern. Hinter der Kirche lag ein wirklich imposanter Friedhof – auf allen Gräbern lagen Blumen, Bilder und Gegenstände. Das alles bei völliger Stille und Ruhe hatte seine Atmosphäre.



Abends bin ich dann bei den Seen angekommen – das Wetter lies ein weiteres Camping zu, obwohl die Nächte wirklich frisch werden sollten.
Über die App bin ich dann zu einem „echten“ Campingplatz gekommen der in einer anderen Liga spielte. Die Sanitären Anlagen waren eines Hotels ebenbürtig. Nur fehlte leider das Flair eines wilden Stellplatzes… dieser hatte eher Parkplatz-Idylle. Dennoch, für die Nacht eine gute Entscheidung – die Seen waren nur 5 Minuten entfernt.


Am nächsten Tag ging es dann frisch geduscht und gut ausgeschlafen (bis auf etwas kühl in der Nacht bei 7C Grad) zu den Seen.
Ich kann gar nicht sagen wie genervt ich in den ersten 40 Minuten dort war – Touristenmassen von Egozentrikern waren dort unterwegs. Jeder war sich selbst am wichtigsten – um das wertvollste Selfie zu machen was es zu machen gibt.
Scheißegal ob man dann halt 30 andere Menschen aufhält. Sowas hab ich wirklich selten erlebt… dadurch konnte ich mir die großen Wasserfälle nur kurz anschauen, lange hab ich das dort nicht ausgehalten (leider)
Jeder, aber auch wirklich jeder hatte sein Handy in der Hand. Stolpernd ging es dann über die Holzbowlen, man schaute sich um weil der Bekannte noch ein Foto machen wollte, blieb abrupt stehen usw usw.
https://vimeo.com/1232494255?share=copy&fl=sv&fe=ci
Bevor jemand fragt – meine Aufnahmen sind mit der RayBan von Meta entstanden. Hier mal ein von mir kommentierter kurzer Weg durch das fotografierende Chaos… Die Menschen tun so als wenn sie alleine dort wären. Gehen langsam, bleiben stehen, blockieren den Weg, machen (lassen machen) Selfies. Es war schlicht total nervig in diesem Teil der Seen.
Nunja, danach, später, hab ich dann einen einsamen Weg gefunden, quasi hier am gegenüberliegenden Ufer auf der anderen Seite wieder zurück. DAS wahr pure Erholung, kaum andere Menschen und wunderbare Natur.
Wie dem auch sei, ich denke ich werde soooo schnell nicht wieder dahin fahren. Die traumhaften Erinnerungen aus den letzten Jahren will ich mir nicht final durch so einen erlebten Scheiß versauen. An dieser Stelle dachte ich nur: Gut das ich nicht noch in Dubrovnik war.
In der Tat habe ich dann entschieden meine Reise Richtung zu Hause weiter zu führen. Ich bin dann also von den Seen Richtung Slowenien gefahren, wieder durch wundervolle Landschaften – es ist schon ein großartiges Szenario wenn die Alpen am Horizont auftauchen…

Und man mitten drin ist wird es nicht schlechter…

Um ehrlich zu sein, hatte ich heute nicht wirklich Bock auf Camping… eher auf das Gegenteil. Also viel meine Wahl auf ein gutes Hotel in Österreich, wo ich spät am Abend mittlerweile angekommen war…

…und scheiß auf Chilli con Carne.

Am nächsten Tag bin ich dann fast 950km und über 10 Stunden durchgefahren – schlicht weil ich keine Lust hatte noch einmal irgendwo in Deutschland zu übernachten, weder Camping noch Hotel.
Abends wollte ich aber dennoch noch einmal dieses wirklich gute „Campinggefühl“ haben – also von der Autobahn runter und anstatt dem überteuerten „Tank & Rast“ den guten Gaskocher angemacht, die letzte Dosensuppe drauf und einen Kaffee gemacht. Perfekt.
Ich denke das behalte ich mir für spätere Reisen einfach bei…

Insgesamt waren es 3.500km als Roadtrip im September. Großartig war´s – viel erlebt… wundervolle Straßen, Pisten, Landschaften. Unwetter, Camping, Hotels, Menschen.
Mach ich´s nochmal? Ja. Klares ja.